Kindertoilette und Töpfchentraining: Ab wann & wie werden Kinder sauber? Erfahrungen, Tipps & Buchempfehlungen

TöpfchentrainingIst Sauberkeitserziehung und Töpfchentraining „von gestern“ oder nach wie vor nötig für die Kindertoilette?

Welche Tipps können wir von erfahrenen Pädagogen und Eltern mitnehmen? Ab wann werden Kinder sauber und trocken?

Und welches Töpfen kommt letztlich eigentlich in Frage? Ein System aus Keramik oder Holz, mit oder ohne Musik?

Soll die Kindertoilette von namhaften Firmen wie Fisher Price sein oder ist das egal?

Antworten auf diese Fragen rund um die Kindertoilette und das Töpfchentraining für Babys möchten wir Ihnen in diesem ausführlichen Ratgeber-Artikel geben.

Sauberkeits- und Töpfchentraining historisch und heute: Veränderungen sind sichtbar

Bestseller-Autor Remo H. Largo spricht in seinem Standard-Werk „Babyjahre“ von einer Veränderung. Die Erziehungshaltung in Bezug auf die Kindertoilette und das Sauber werden habe sich seit den 70er Jahren „grundlegend gewandelt“.

Bestseller-Autor Remo H. Largo empfiehlt in seinem Buch Babyjahre:
Eltern können auch heutzutage noch ihren Beitrag dazu leisten, damit das Kind sauber und trocken wird. Den Löwenanteil aber erbringt das Kind selbst (S.535).

Das war früher sehr anders, wie ein Blick in die Geschichte zeigt: Bis in die 70er Jahre war die klare Grundhaltung: Kinder müssen so früh wie möglich zur Sauberkeit erzogen werden. Früher sauber sind sie deshalb übrigens nicht geworden.

Auch heute gibt es aber noch viele Unterstützer beim Töpfchentraining, wie auch das Angebot an Online-Kursen und Büchern zeigt: „Töpfchentraining 2.0“ und „Von der Windel zum Töpfchen in nur 3 Tagen“.


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Wissen zum Thema Sauber werden, Töpfchentraining & Kindertoiletten von Bestseller-Autor Remo H. Largo

Bestseller-Autor Remo H. Largo
Bestseller-Autor Remo H. Largo gibt Eltern Tipps. Quelle: CC BY-SA 2.0

Woher weiß ich, wann mein Säugling die Blase entleeren muss?

Durch „Schreien, motorische Unruhe oder mimische Reaktionen“ können Säuglinge ihr Bedürfnis deutlich machen. Das hatte und hat in anderen Kulturen einen ganz bestimmten Grund.

Denn Frauen tragen in Teilen von Asien, Afrika und Südamerika ihre nackten Babys am Körper.

Dadurch dass das Baby dann auf sich aufmerksam macht, werden die Mütter gewarnt und machen sich somit nicht schmutzig.

In unseren Breitengraden, wo diese Art von „Frühwarnsystem“ nicht mehr so bedeutsam ist, lässt auch die Reaktion der Babys, dies anzuzeigen, oft schnell nach. Zwar gibt es Babytragen hier auch – und sie werden sogar richtig beliebt inzwischen – doch ist diese Art des Tragens hier heutzutage eher weniger üblich.

Ab wann ist die Kindertoilette und das Töpfchentraining zum Sauber werden sinnvoll?

Babyjahre BuchWer das Kapitel zum Thema Sauber werden in Remo H. Largos Bestseller „Babyjahre“ studiert, wird folgende Aussage finden: „Der Beginn der Sauberkeitserziehung wurde im Mittel um mehr als 14 Jahre hinausgeschoben“ (S. 536). Diese basiert auf den Zürcher Longitudinalstudien. Während früher teilweise in den ersten 3 Monaten der Baby-Entwicklung schon mit dem Training begonnen wurde, so ist ein Töpfchentraining im 1. Jahr heute nur noch die Ausnahme.

Der Beginn der Erziehung zur Sauberkeit startet meist, wenn das Kind 2 Jahre alt ist. Teilweise sogar erst mit 3 oder 4 Jahren gar. Einen bunten Strauß verschiedener Erfahrungen findet man auch in Foren. Doch ab wann ist es sinnvoll? Natürlich geht auch der bekannte Pädagoge auf diese Frage in seinem Buch ein. Seine Antwort lautet: „Eltern sollten mit der Sauberkeitserziehung so lange warten, bis ihnen ihr Kind von sich aus signalisiert, dass es sauber und trocken werden will“ (S. 537).

Das kann durch Mimik oder Sprache erfolgen, wenn sich das Kind schon so ausdrücken kann. Der Autor fügt an: „Das bewusste Wahrnehmen der Blasen- und Darmentleerung ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass das Kind diesen Vorgang willentlich kontrollieren kann“ (S. 537).

Zudem beruhigt er Eltern mit folgendem statistischen Beleg: Nur weil Kinder früher auf die Kindertoilette gesetzt wurden, waren sie nicht früher in der Lage, ihren Urin- und Stuhldrang zu spüren, als Kinder, die später auf das Töpfchen gesetzt wurden.

Woher erkenne ich, wenn mein Kind bereit ist, die Windeln loszulassen und auf’s Töpfchen zu gehen?

Die Kindertoilette darf Spaß machen
Die Kindertoilette darf Spaß machen

Doch ab wann signalisieren Kinder dieses Bedürfnis? Frühestens zwischen 12, 14 und 18 Monaten, meist zwischen 18 und 36 Monaten. Übrigens kommt der Zeitpunkt für die Kindertoilette bei den Mädchen oft etwas früher, als bei den Jungs.

Seien Sie also ein wenig aufmerksam, wenn Sie Ihren Sonnenschein beim Spielen unter einem Spieltrapez oder auf einer Wasser-Spielmatte beobachten.

Ob das Töpfchentraining in 3 Tagen tatsächlich für die meisten möglich ist, wie es zum Beispiel ein Online-Kurs in seinem Titel angibt, sei dahingestellt. Jedenfalls betont auch Pädagoge Largo: Sauber und trocken werden ist in „kürzester Zeit“ möglich.

Viel mehr als Töpfchentraining benötigten die Kinder Vorbilder, fordert er in seinem Buch. Daher sollten Eltern und ältere Geschwister die Toilettentür möglichst auflassen und dem Kleinkind die Möglichkeit zur Nachahmung bieten. Largo ist überzeugt, dass die Kinder in der Praxis am schnellsten lernen.

Wie lange dauert es, bis Kinder sauber und trocken sind?

Der überwiegende Teil meistert dies im 3. und 4. Lebensjahr, weniger bereits im 2. Lebensjahr. 10% der Kinder können auch im 5. Lebensjahr noch in die Windeln oder Hose machen. Er gibt Eltern den Tipp, sich nicht verunsichern zu lassen, wenn die Kinder erst sehr spät die Eigeninitiative und das Interesse an der Kindertoilette zeigten.  Es ist wichtig, sich zu verdeutlichen, dass Entwicklung etwas Individuelles ist und von Kind zu Kind unterschiedlich schnell verläuft.

Grafik zum Thema Sauber werden
Die Grafik zeigt den Anteil der Kinder in Prozent, die in einem bestimmten Alter vollständig sauber sind. Grafik aus: „Babyjahre“ von Remo H. Largo.

Mögliche Fehler, die Eltern beim Thema Kindertoilette machen können

Wenn die Kinder signalisieren, dass sie „bereit“ sind, müssen Eltern handeln und die Kinder unterstützen. Wenn sie dies nicht tun und die Kinder weiter in Windeln herumrennen lassen, laufen sie Gefahr, den Zeitpunkt für die Sauberkeitserziehung zu verpassen, sagt Pädagoge Largo (S. 542). Der Preis ist eine mit deutlich mehr Aufwand verbundene spätere Umgewöhnung.

Wie stressig wird das ganze Thema Töpfchentraining und Sauberkeitserzieheung für uns Eltern?

Keine Sorge, beruhigt Bestseller-Autor Largo die Eltern, und gibt folgenden Tipp: Wer sich auf das Kind einstellt und geduldig bleibt, kann sich entspannen und vermeidet Stress beim Herangehen an die Phase der Kindertoilette. Wörtlich sagt er: „Das Kind bestimmt den Zeitpunkt, an dem es sauber und trocken werden will. Sie unterstützen es in Ihrem Vorbild und mit praktischen Belangen“ (S.544).


Es gibt so viele Modelle: Welche Kindertoilette ist eigentlich sinnvoll?

Es gibt natürlich zahlreiche Modelle und Angebote auf dem Markt. Das macht die Auswahl für Eltern leider nicht immer einfach, denn jede Möglichkeit mehr erfordert wieder Abwägung und Willenskraft zur Entscheidung.

Daher möchten wir hier nur das Wesentliche aufführen und vorstellen, und geben natürlich damit keine Garantie auf Vollständigkeit.

Das Fisher Price Töpfchen punktet mit Musik mit Qualität

Seit Jahren eine der absolut bewährtesten Modelle unter den Kindertoiletten ist das Modell von Fisher Price Mattel: „Meine erste Toilette“ heißt das Töpfchen, das zudem eine Kindertoilette mit Musik ist. Dank durchdachter Planung und Fertigung kann der renommierte Spielzeug-Hersteller Fisher Price bei dieser Kindertoilette jedoch nicht nur mit „Action“ (die Musik) punkten.

Auch die Qualität überzeugt täglich viele Eltern, dank solider Fertigung im Hinblick auf die Planung und das verarbeitete Material. Dieses Töpfchen für Babys hat eine Sitzhöhe von rund 18 cm und ist im Wesentlichen aus Kunststoff gefertigt.

Einziger Wehrmutstropfen ist, dass dieses Modell der Kindertoilette von Fisher Price so beliebt ist, dass der Hersteller mit dem Produzieren und Liefern oftmals nicht nachkommt und es zu Engpässen führen kann.

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Fisher-Price P4326 Meine erste Toilette Töpfchen und Toilettensitz mit Musik und Soundeffekten Toilettentrainer für Kleinkinder
  • Durch die kleine Toilette mit realistischen Elementen fühlen sich die Kleinen schon ganz groß
  • Mit lustigen Sätzen, Musik und Soundeffekten wird selbst der Toilettengang zum Vergnügen
  • Sitzhöhe ca 18 cm Auch auf einem normalen Toilettensitz benutzbar Einfach zu reinigen

Zwei preisgünstige und solide Alternativen: Die Kindertoiletten von Reer und das Baby Potty

Auch daher möchten wir Ihnen noch weitere Alternativen vorstellen. Eine ebenfalls bei Eltern beliebte Kindertoilette ist die von Reer. Dieser namentlich weitaus weniger bekannte Hersteller hat eine Babytoilette gebaut, die der von Erwachsenen optisch gleicht, natürlich in weitaus kleinerem Maßstab.

Besonders erfreulich ist das sehr kundenfreundliche Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn für diese Kindertoilette müssen Eltern lediglich rund 15 Euro auf den Tisch legen, bekommen dafür aber Qualität, die auch langfristig zu überzeugen weiß. Damit kann der Hersteller Reer sich in diesem Aspekt deutlich von dem oben vorgestellten Modell von Fisher Price absetzen, das preislich eine Investition von 40 bis 50 Euro verlangt.

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Reer 4411.1 - Kindertoilette Sitz-Fritz, perlmarine
  • Original 1:1 Nachbildung einer "Erwachsenen-Toilette". Fördert den Nachahmungsdrang der Kinder und hilft den Kleinen beim Großwerden.
  • fördert die Unabhängigkeit und das Selbstwertgefühl des Kindes.
  • leichte Reinigung- hygienische Entsorgung des Inhaltes dank herausnehmbaren Einsatz.
  • ergonomische Form- perfekt abgestimmte Höhe und Stabilität beim Sitzen.
  • Dank klappbarem Aufsatz lässt sich die Mini-Toilette einfach und effektiv reinigen. Die Mini-Toilette besteht aus vier Einzelheiten, die aus hochwertigem Polypropylen gefertigt sind.

Ebenfalls für viele Eltern überzeugt hat das Modell Baby Potty der Big Spielwarenfabrik. Neben dem günstigen Preis von ebenfalls rund 15 Euro sticht bei dieser Kindertoilette vor allem die auffallende Optik sofort ins Auge: Ein Töpfchen in Gestalt eines roten Rennwagens – natürlich ein echter Eye-Catcher, der vor allem Buben bzw. Jungs erfreuen und faszinieren wird.

Natürlich wurde hierbei auch nicht auf ein Lenkrad verzichtet, das übrigens auch leicht entnommen werden kann. Mit diesen Anreizen ist die Motivation natürlich hoch, das Töpfchentraining zu machen und zu lernen, sauber und trocken zu werden. Geeignet ist dieses Modell für Kinder ab anderthalb Jahren.

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BIG 800056801 - Baby Potty
  • Zielgruppe: Kleinkind
  • Material: Kunststsoff, Farbe: Rot
  • Das Lenkrad kann leicht entnommen
  • Die Schale mit dem Griff hinter der Rückenlehne mühelos herausgenommen werden
  • Für Kinder ab 1,5 Jahren geeignet, Maße: (LxBxH) 42,5 x 31 x 28cm

10 Tipps von der „Töpfchentrainerin“ Iris, die den Kurs „Töpfchentraining 2.0“ erfunden hat:

 

  1. Wenn das Kind beginnt, seine Bedürfnisse zu äußern, ist die Zeit reif für die Kindertoilette. Das Äußern kann durch Sprache, aber auch durch Mimik und Gestik erfolgen.
  2. Kinder sollten mit in die Wahl und Gestaltung des Töpfchens (durch Anbringen des Namens zum Beispiel) mit eingebunden werden, um einen guten Bezug zur Kindertoilette herzustellen.
  3. Seien Sie ein Vorbild und zeigen Sie dem Kind, wie man das Geschäft verrichtet. Heben Sie es auf die Kindertoilette, wenn es das Bedürfnis äußert, gehen Sie mit ihm ins Badezimmer, doch zwingen Sie es niemals, wenn das Baby noch nicht sauber werden will.
  4. Ähnliches gilt für das auf das Töpfchen setzen: Kein Kind lernt schneller, in dem man es ständig und viel zu lange auf die Kindertoilette hebt.
  5. Geduld ist daher eine wichtige Tugend bei der Sauberkeitserziehung, wie wir nun bereits aus der Erfahrung von verschiedenen Eltern und Pädagogen in diesem Artikel gehört haben. Entwicklung ist immer noch eine individuelle Angelegenheit und verläuft nicht immer gleich.
  6. Vergleiche mit anderen Kindern und deren Entwicklungsstand sowie Entwicklungsgeschwindigkeit helfen niemandem und am wenigsten Ihrem eigenen Kind.
  7. Die Kindertoilette und das Töpfchen sollten an einem festen Ort bleiben, im Badezimmer, und auch nicht mit hinaus in den Garten beispielsweise genommen werden.
  8. Wer die Bedürfnisse des Kindes nicht liest und zu spät oder auch zu früh mit dem Töpfchentraining beginnt, wird mehr Probleme damit haben. Denn das Kind signalisiert selbst am besten, wann es bereit ist. Die Eltern brauchen nur aufmerksam bleiben dafür.
  9. Hat das Kind das Töpfchentraining gemeistert, so gibt es keinen Grund, wieder Windeln mitzunehmen auf Reisen. Stattdessen sollte die Kindertoilette auch unterwegs dabei sein und nur für den Notfall feuchte Tücher und Kleidung zum Wechseln.
  10. Rechnen Sie dennoch damit und seien Sie vorbereitet, wenn ab und zu noch ein „Unfall“ passiert. Das gehört einfach zum Lernprozess dazu und wird mit der Zeit weniger werden und ganz verschwinden. Ein paar Tipps liefert auch dieser Artikel hier noch.

Falls Sie sich Unterstützung und Rat einer erfahrenen Mutter wünschen: „Töpfchentrainerin“ Iris hat bereits über 15.000 Mütter in den letzten Jahren beim Heranführen ihrer Kleinen an die Kindertoilette geholfen in ihrem Online-Programm „Töpfchentraining 2.0“, das Sie hier bekommen können.

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Heike ist Mutter zweier Sonnenscheine und seit Jahren begeistert an den Themen persönliche Weiterentwicklung, gesunde Ernährung und Leben und wie wir ein Leben in Balance führen können in der heutigen Zeit.

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